2009
11.10

[Das Haus]

Das Autonome Jugendhaus 2014:




Die Geschichte des Autonomen Jugendhauses – ein kurzer Überblick

1982 entwickelte sich in der “Teeküchengruppe” des Jugendzentrums Bargteheide die Idee zur selbstständigen Jugendarbeit, wobei es auch darauf ankam, möglichst unabhängig von der Gemeinde und öffentlichen Mitteln zu sein. So entstand nach vielen Verhandlungen und Gesprächen mit der Stadt das Autonome Jugendhaus (AJH) Bargteheide in der Lübecker Straße 45. Die einzige Voraussetzung war, dass das Autonome Jugendhaus einen Verein gründete und jährlich eine symbolische Miete bezahlt, damit ein Mietvertrag eingegangen werden konnte.

Da das gesamte Gebäude noch baufällig war, musste es zuerst renoviert werden, was die Jugendlichen völlig selbstständig, in Eigenarbeit und mit eigenen Mitteln durchführten. So begann eine kontinuierliche Arbeit.

Im April des Jahres 1993 wurde das AJH, finanziell unterstützt durch die Stadt, erneut renoviert. Dabei wurden Boden und Decke isoliert, Fenster und Türen neu eingesetzt, eine Kücheneinrichtung zusammengestellt und eine Gasheizung installiert.

2005 musste das Jugendhaus einem Neubaugebiet weichen und in eine neue Behausung ziehen, die nach jahrelangen zähen Verhandlungen und zwei Demonstrationen als „Am Volkspark 1“ benannt werden konnte. Zum dritten Mal in der AJH Geschichte waren die Jugendlichen selbst gefordert, einen teils von der Stadt unterstüzten sehr umfangreichen Umbau und eine Renovierung durchzuführen. Nur durch den konsequenten Einsatz der Aktiven konnten die Container, die ehemals MigrantInnen beherbergten, zu einem Jugendhaus gemacht werden. Mit den Jahren entwickelten sich verschiedenste Veranstaltungen, so dass ein freier Bereich für Kultur, Politik und unabhängige Jugendarbeit entstand.

So wurde das AJH von verschiedenen Gruppen genutzt, es gab Vorträge, Diskussionsveranstaltungen, Seminare, z.B. ein Anti-Gewalt-Workshops übers Wochenende, damit Veranstaltungen grundsätzlich friedlich verlaufen.

Eine sogenannte “Volxküche” (VoKü) kochte für alle kostenlos und finanzierte sich nur durch direkte Spenden, Kurzfilmfestivals und Kinoabende fanden statt, die ebenfalls kostenlos und sehr erfolgreich waren. Immer wieder gab es Cafés, zeitweise auch ein spezielles HipHop/Reggae-Café, bei dem die Gäste mit Keksen und Beats versorgt wurden.

­Spontan fanden immer wieder Spieleabende, Kickerturniere und Fahrradwerkstätten statt. Das entspannte Miteinander hat das AJH besonders geprägt und die Jugendlichen nicht nur direkt im Haus zusammengeführt, sondern auch Ausflüge an die umliegenden Seen oder endlose philosophische Diskussionen möglich gemacht.

Parties gab es ab den 90er Jahren auf Grund der direkten Nachbarschaft leider nur sechs mal im Jahr, Konzerte waren solange ein elementarer Teil des Progamms, bis der Nachbar die Zumauerung des Notausgangs durchsetzen konnte. Aus brandschutztechnischen Gründen waren live Auftritte dann untersagt. Trotzdem sind auch zu den DJ-Parties regelmäßig zwischen 150 und 200 Jugendliche überwiegend aus Bargteheide, aber auch aus den umliegenden Dörfern, Ahrensburg, Bad Oldesloe und Hamburg, da das AJH Verbindungen zu dem “Inihaus” in Bad Oldesloe, dem “42” in Ahrensburg und einigen Jugendhäusern in Hamburg hat, zu Gast gewesen. Mittlerweile gibt es keine fest vorgeschriebene Veranstaltungsbeschränkung mehr, und auch live Musik ist wegen der Notausgänge in den Containern wieder möglich. Das AJH ist heute vor allem durch die Elektro- und Reggae-Parties, sowie unsere skalastigen Konzerte sehr bekannt und beliebt.

Alle diese Aktivitäten wurden und werden in regelmäßigen Plena, in denen jedeR seine Meinung einbringen kann, organisiert und besprochen. Wichtig dabei ist, dass alle Entscheidungen basisdemokratisch gefällt werden und jedeR kommen und mitmachen kann.

So vielseitig und bunt existiert das AJH nun schon eine ganze Weile und mit jungen Aktiven kommt immer wieder frischer Wind, der den Staub der vorangegangenen Generationen ins Archiv pustet! Die Idee der Selbstentfaltung und –verwaltung ist dabei der Atem, der den Jugendlichen dieser Stadt hoffentlich auch in den nächsten 25 Jahren nicht ausgeht!

Das Plenum

Wie organisiert Mensch eigentlich so ein Autonomes Jugendhaus?

Dazu treffen wir uns jeden Sonntag um 19 Uhr im Haus zum Plenum.

Das Plenum (lat. Plenar : voll, Vollversammlung) ist bei uns offen, das heißt, dass jeder, der sich irgendwie hier einbringen möchte, herzlich eingeladen ist, dem Plenum beizuwohnen.

Diese offene Struktur ist uns besonders wichtig, da wir so neue und andere Sichtweisen und Impulse erhalten, um unsere Arbeit, das Haus und uns selber weiterzuentwickeln.

Wir arbeiten im Plenum hauptsächlich nach dem Konsensprinzip, das bedeutet, dass wir diskutieren und beraten solange bis alle PlenumsteilnehmerInnen die Entscheidungen mittragen können. Bei wenig komplexen Fragen (blaue oder grüne Luftballons?) stimmen wir demokratisch oder per Akklamation (klatschen) ab. Bei jeder Methode haben alle Personen das gleiche Stimmgewicht, was bedeutet, dass wir keinen Unterschied auf Grund von Alter, der Zeitspanne der Aktivität und der Herkunft, sowie des Geschlechtes machen.

Auch der Vorstand hat im Plenum nicht mehr als alle anderen zu sagen. Wir nehmen jede Meldung zu einem Thema ernst und beraten und diskutieren bis zum Konsens über einen Sachverhalt.

Beim allsonntäglichen Treffen werden organisatorische Dinge wie z.B. Renovierungsarbeiten, Seminare, Mittwochsprogramme, Partys, und vieles mehr besprochen.

Unsere Grundeinstellung verlangt, dass sich keiner -besonders im Plenum- sexistisch, rassistisch und/oder anders diskriminierend verhält.

Das war ein kleiner Einblick in unsere Organisationsstruktur, wenn du dich selbst hier einbringen willst, dann komm doch einfach mal am Sonntag um19 Uhr vorbei.

25 Jahre Autonomes Jugendhaus – die Festivalzeitung

Durch das hartnäckige Engagement zweier Ehemaliger ist eine einmalige Collage aus Fotos, Flyern, Zeitungsartikeln, Dokumenten und Texten aus einem halben Jahrhundert selbstverwalteter Jugendarbeit in Bargteheide zusammengekommen. Persönliche Erinnerungen von Gründungsmitgliedern bishin zu den aktuell Aktiven beleuchten das Leben im und ums Autonome aus zahlreichen Blickwinkeln und drei Jahrzehnten. Ein echtes Muss für alle, die mal hier aktiv waren/sind/sein werden oder sich für selbstorganisierte Jugendarbeit interessieren oder sich inspirieren lassen wollen. Für 5 € verschicken wir diesen auf Papier gebannten Meilenstein mit zwei AJH-Aufklebern gerne zu Interessenten nach hause!

Auszug aus der Zeitschrift „25 Jahre Autonomes Jugendhaus Bargteheide“

Der Umzug 2005 und die Stadtverhandlungen

(…) Schon vor meiner aktiven Zeit liefen Gespräche über den Abriss zugunsten eines Neubaugebiets und unseren neuen Standort. Ab Mitte 2002 wurden die Verhandlungen zahlreicher und zäher, z.B. mit Bürgermeister Mitsch, der uns immer wieder elegant über den Tisch ziehen wollte. Mit der Ablehnung von über 15 Objekten, die unsere Vorgänger bereits zusammengestellt und bei der Stadt eingereicht hatten, war das Maß der Destruktivität noch nicht voll. Der Zimmermann und Vater Herr Henke hatte z.B. angeboten, mit uns gemeinsam ein Holzhaus auf die Beine zu stellen, das ca 20.000 € hätte kosten sollen. Der verhältnismäßig erschwingliche Preis für einen Neubau war von einem zeitlich begrenzten Förderprogramm abhängig, was wir der Stadt auch so mitgeteilt hatten. Aus der Zeitung durften wir dann von Mitsch erfahren, man ließe sich Zeit mit einer Entscheidung, nichts solle überstürzt und vor dem Jahreswechsel nichts mehr entschieden werden. So war die Stadt auch für das Scheitern dieser Option verantwortlich. Und das verheimlichten wir nicht! Im Gegenteil sind wir den Damen und Herren im Rathaus so lange und reglmäßig auf´s Dach gestiegen, dass Mitsch Ende 2004 gesagt hat: „Das nächste, was ich von euch hören will, ist eine Einladung zum Einweihungsfest!“ Das konnten wir leider nicht mehr ermöglichen, da inzwischen dem CDU Charmebolzen Dr. Henning Görtz das Bürgermeisteramt inne wohnt.

Doch zurück zu den Verhandlungen vor dem Umzug. 2004 war die Situation zwischen der Stadt und uns dermaßen eskaliert, dass ein Mitglied des Stadtjugendrings ein Vermittlungsgespräch einleiten musste. Dies fand mit Parteivertretern, Mitsch und Frau Clobes bei eisiger Atmosphäre im AJH statt. Zu diesem Zeitpunkt wurde uns schon mehrmals gekündigt, der Termin dann aber doch immer weiter verschoben und eine Alternative war noch lange nicht in Sicht. Der damalige Bürgermeister zeigt sich auch hier in seiner Opferrolle und prangerte unsere Undankbarkeit an. Wir, die jungen Autonomen, würden ja völlig übersehen, wie intensiv die Stadt daran arbeitet, ein neues Grundstück zu finden. Wie gemein von uns! In dieser Zeit hatte zumindest ich wirklich Angst, dass der Bagger vor den Umzugskartons kommt.

Deshalb fand am 13.3.04 die erste Demostatt; eine riesige Herausforderung, die damit begann, dass der Herr vom Ordnungsamt keinen Anmeldeantrag finden konnte. Nach langem Wühlen drückte er mir ein vergilbtes Schreibmaschinendokument in die Hand und sagte etwas peinlich berührt: „Ich werde das noch mal abtippen, aber  ­

so sieht es aus…“. Nach der „Narrendemo – bunt und verkleidet“ hatte sich der Druck auf die Stadt spürbar erhöht, und es war abgesehen davon ein sehr schönes Gefühl, in Bargteheide demonstrierend durch die Straßen zu ziehen. Besonders ulkig waren einige etwas übermotivierte schwarz angezogene UnterstützerInnen von außerhalb, die am Ende der Demo nach Elmenhorst durchbrechen wollten. Vermutlich wussten sie nicht, dass sie sich im Nirgendwo befinden, und dass ein Durchbrechen auch niemanden gekratzt hätte. Aber wahrscheinlich lag es vor allem an den Bambuledemos und dem Kampf um die Walli, dass unser lockeres Kleinstadtmotto „bunt und verkleidet“ teilweise auf Unverständnis stieß.

Nach dieser Aktion kam seitens der Stadt die Containeridee auf, die wir zuerst als schlechten Scherz auffassten. Ein Container beim Friedhof mit 30 qm soll unsere 150 qm Luxusbaracke ersetzen? Äh, nee! Mal wieder ein Versuch von Mitsch zu testen, wie gut er uns über´s Ohr hauen kann. Beim nächsten Treffen mit der Stadt hieß es dann, die insgesamt 6 Container am Volkspark könnten wir uns doch prima mit den Modellbauer teilen. Wir 90 qm, die 90 qm. Spitzenidee! Fast so verlockend wie ein Haus der Jugend, ein bereits unsererseits abgelehntes Angebot eines Neubaus mit dem staatlichen JuZe unter einem Dach.

Mit dem zweiten Blechvorschlag provozierte die Stadt am 4.12.04 die zweite Demo „Drei Container sind kein Haus!“. Danach boten sie uns fünf Conatiner an, also 150 qm, doch wir konnten irgendwie nicht glauben, dass wir eine Konservendose ziehen sollten. Nach ewigen Diskussionen, hin und her überlegen, Angst, dass wir sonst vielleicht gar nichts kriegen, haben wir uns schweren Herzens für die Container entschieden und noch einen halben mehr heraus gehandelt. Im Frühjahr 2005 packten wir dann ein ganzes Jugendhaus in Kisten und fuhren es an die schöne Adresse „Am Volkspark 1“.

Die Stadt versprach uns, dass die sechs Blechdosen baulich in Ordnung seien, wir müssten allerdings selbst die Bäder heraus reißen, renovieren und die Durchbrüche in Auftrag geben. Das angesetzte Budget der Stadt: 2.500 €. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass diese Beamten noch weniger Ahnung als Sympathie hatten, denn die Container wiesen an jeder Stelle, an der wir an der Oberfläche kratzten, Mängel auf. Das war nach diesem langen Kampf nicht nur eine Ohrfeige oder ein Alptraum, sondern mutete schon fast wie ein Fluch an. Die Stadt war und ist ziemlich überfordert von dieser völlig falsch eingeschätzten Situation und hat inzwischen mindestens 20.000 € in die Container gepumpt- hätten sie sich richtig über ihre eigene Immobilie informiert, hätten wir für das Geld auch etwas Besseres bekommen können! Das Leben auf der Baustelle war schrecklich und bis heute sind die Umbauarbeiten nicht komplett abgeschlossen, aber immerhin müssen wir keine Tür mehr über ein Loch im Boden legen. (…)

Luise

3 comments so far

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  1. WIR LIEBEN EUCH !
    DAS HAK !

  2. “25 Jahre Autonomes Jugendhaus – die Festivalzeitung

    Durch das hartnäckige Engagement zweier Ehemaliger ist eine einmalige Collage aus Fotos, Flyern, Zeitungsartikeln, Dokumenten und Texten aus einem halben Jahrhundert selbstverwalteter Jugendarbeit in Bargteheide zusammengekommen. Persönliche Erinnerungen von Gründungsmitgliedern bishin zu den aktuell Aktiven beleuchten das Leben im und ums Autonome aus zahlreichen Blickwinkeln und drei Jahrzehnten. Ein echtes Muss für alle, die mal hier aktiv waren/sind/sein werden oder sich für selbstorganisierte Jugendarbeit interessieren oder sich inspirieren lassen wollen. Für 5 € verschicken wir diesen auf Papier gebannten Meilenstein mit zwei AJH-Aufklebern gerne zu Interessenten nach hause!

    Auszug aus der Zeitschrift „25 Jahre Autonomes Jugendhaus Bargteheide“”

    Steht doppelt drin.

  3. Vielleicht sollte man hier auch die Regeln des Zusammenlebens im Autonomen Jugendhaus klarstellen?

    Belästigung fängt da an, wenn mensch sich belästigt fühlt. Auch Umgangssprache kann verletzen. Wir sind ein Jugendhaus und tolerieren keine Drogen jeglicher Art. Behandelt die Möbel und das Haus gut, weil auch andere sie/es noch benutzen wollen. Jeder darf sich frei ausleben, ohne die Freiheit der anderen einzuschränken. Bei uns hat Sexismus, Rassismus, Nationalismus, Homophobie und oberflächliches Verhalten nichts zu suchen!